Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte über einen Fall zu entscheiden, bei welchem ein Handwerker bei Dacharbeiten an einem Haus einen Brand verursachte, infolgedessen das Haus komplett abbrannte und durch den Brand und die Löscharbeiten auch das Nachbarhaus erheblich beschädigt wurde. Die Gebäudevericherung des Nachbarhauses leistete Entschädigung in Höhe von rund 100.000,00 €. Nachdem eine Inanspruchnahme des den Brand verschuldenden Handwerkers aufgrund dessen Insolvenz keine Aussicht auf Erfolg bot, verlangte die Versicherung den an den Nachbarn gezahlten Schadensersatzbetrag von den Rechtsnachfolgern der Eigentümer des abgebrannten Hauses zurück.

Der Fall landete schließlich in dritter Instanz in der Revision beim BGH.Dieser vertrat die Auffassung, dass den geschädigten Nachbarn ein verschuldensunabhängiger nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch zustünde. Nach Auffassung des BGH ist ein nachbarrechtlicher Ausgleichsanspruch dann gegeben, wenn von einem Grundstück im Rahmen privatwirtschaftlicher Benutzung rechtswidrige Einwirkungen auf ein anderes Grundstück ausgehen, die der Eigentümer oder Besitzer des anderen Grundstücks nicht dulden muss, aus besonderen Gründen jedoch nicht unterbinden kann und dadurch Nachteile erleidet, die das zumutbare Maß einer entschädigungslos hinzunehmenden Beeinträchtigung übersteigen. Der BGH sah es als ausreichend an, dass mit Beauftragung des Handwerkers die Vornahme von Dacharbeiten veranlasst worden und damit eine Gefahrenquelle geschaffen worden sei. Auf ein Verschulden der Grundstückseigentümer, z.B. bzgl. der Sorgfaltspflicht bei der Auswahl des Handwerkers, komme es nicht an.

Quelle: BGH; Urteil v. 09.02.2018; Aktenzeichen V ZR 311/16

Fazit:

Für einen nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruch sind verschiedene Konstellationen denkbar, z. B. auch der Eintritt eines Wasserschadens aufgrund technischen Defekts oder eines Rohrbruchs im Nachbarhaus. Bei entsprechend räumlicher Nähe, wie z. B. bei Anbauten, Grenzbebauung, Doppelhaushälften oder einem Reihenhaus, kann z.B. durch einen durch Handwerker verursachten Wasserschaden in der Doppelhaushälfte des Nachbarn relativ schnell auch ein großer Schaden im eigenen Haus entstehen.

Haben Sie Fragen? - Sprechen Sie uns an!