Wird man ohne Schuld in einen Verkehrsunfall verwickelt, dann kann man nicht immer damit rechnen, dass man auch die Kosten für einen Mietwagen (wird oft unrichtig auch als Leihwagen bezeichnet) in voller Höhe ersetzt bekommt. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat aktuell entschieden, dass bei einer geringen Fahrleistung die Anmietung eines Ersatzwagens nach einem Verkehrsunfall nicht erforderlich sein kann und dem Geschädigten dann nur Nutzungsausfall zusteht.

In dem zur Entscheidung stehenden Fall hatte ein Unfallgeschädigter grundsätzlich Anspruch auf 100 % seines erlittenen Schadens. Er nahm für die Reparaturdauer seines Fahrzeuges einen Mietwagen, welcher ca. 1.230,00 € Kosten verursachte. Diese Kosten wollte er von dem zahlungspflichtigen Haftpflichtversicherers des Unfallgegners wieder haben.

Der Haftpflichtversicherer zahlte lediglich Nutzungsausfall und begründete dies damit, dass der Geschädigte in der Ausfallzeit lediglich 239 km in 11 Tagen gefahren und dass aus diesem Grund die Anmietung eines Ersatzfahrzeuges nicht erforderlich gewesen sei.

Der Geschädigte klagte und verlor. Das letztentscheidende OLG vertrat die Auffassung, dass bei einer solch geringen Fahrleistung die Mietwagenkosten von dem gegnerischen Haftpflichtversicherer nicht verlangt werden könnten und gab damit dem Haftpflichtversicherer Recht. Schlussendlich erhielt der Geschädigte lediglich 115 Euro Nutzungsausfall.

Quelle:Urteil des OLG Hamm vom 23.01.2018; Az. 7 U 46/17 via beck newsletter

Fazit: Nach einem Verkehrsunfall sollte man im Falle zu erwartender geringer Fahrleistung gut überlegen, ob man einen Mietwagen in Anspruch nimmt oder vielleicht besser Nutzungsausfall beansprucht.

Übrigens: Die wenigsten Geschädigten wissen, dass Sie nach einem schuldlosen  Verkehrsunfall einen Rechtsanwalt ihrer Wahl mit der Unfallregulierung beauftragen können, und zwar auf Kosten des gegnerischen Haftpflichtversicherers!